Mehr als 90 Prozent aller Ski- und Snowboardverletzungen entstehen durch den selbst verschuldeten Einzelsturz, verursacht durch Müdigkeit, mangelndes technisches Können, geländebedingte Hindernisse und schlechter Sicht. Kollisionen der Winter­sportler untereinander treten lediglich in zwei bis drei Prozent der Fälle auf, Kollisionen mit fixen Hindernissen sind häufiger. Der Grossteil der Unfälle passiert am späteren Nachmittag, wo bereits die Müdigkeit in die Glieder fährt. Manchmal spielt auch Alkohol eine Rolle, wenngleich der Stellenwert des „Einkehrschwunges“ bei weitem überschätzt wurde. Auch materialtechnische Probleme wie vor allem schlecht gewartete Bindungen, zu aggressives Ski- oder Snowboardmaterial und abgenutzte Schuhe sind Ursache für Verletzungen.

Wir könnten 90 Prozent dazu beitragen, den Wintersport mit mehr Vergnügen sicherer auszuüben und vor allem weniger Verletzungen zu erleiden. Die Anforderungen für beide Wintersportarten sind hoch. Ausdauer ist die Grundvoraussetzung. Kraft, Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Beweglichkeit sind gefordert, um beide Sportarten sicher zu geniessen. Wer denkt, ohne körperliche Vorbereitung Skifahren zu können, irrt gewaltig, denn dann fährt meistens der Ski oder das Board mit dem Sportler, und die Verletzungswahrscheinlichkeit erhöht sich um ein Vielfaches.

Wer nicht in der Lage ist, am Stück 10 Kilometer zu laufen oder 40 Kilometer auf dem Fahrrad zu fahren, sollte besser seine Ausdauer durch ein Grundlagentraining stabilisieren. Was nützt das beste Material, wenn bei der ersten Abfahrt im Tiefschnee bereits die Oberschenkel brennen. Sportarten wie Langlaufen im Winter sind dann eine gute Alternative. Der Startschuss zum Wintertraining sollte spätestens im Sommer erfolgen, wie dies ja auch die Profis machen. Ausdauerläufe, Radtouren, Inline-Skaten und andere Ausdauersportarten sind bestens geeignet, Kondition über den Sommer aufzubauen. Speziell Mountainbiken ist ein ideales Training fürs Skifahren und Snowboarden. Neben Grundlagenausdauer kann man auch Kraftausdauertraining, Koordination, Geschwindigkeit und Geschicklichkeit trainieren. Moderates Krafttraining wirkt nicht nur Wunder im Tiefschnee, sondern formt nebenbei auch den Körper. Heute gibt es Fitnessstudios allerorten, um Tipps für die Wintervorbereitung zu bekommen.

Um die klassischen Skiverletzungen wie Skidaumen oder die langwierigen Kniebänderrisse bzw. Snowboarder-typische Handgelenks- und Sprunggelenks­verletzungen zu vermeiden, gilt es aber auch, an der Technik zu feilen. Wer glaubt, ein guter Wintersportler zu sein, sollte sich nicht damit zufrieden geben, sondern zumindest einmal pro Saison wieder eine Nachschulung machen. Es ist erstaunlich, was man dabei von den Profis lernen kann.

Auch macht der Einsatz von Schutzeinrichtungen im Ski- oder Snowboardhandschuh Sinn, um den häufigen „Skidaumen“ und „Snowboarder-Handgelenkbruch“ auf ein Minimum, laut aktueller Literatur um 75 Prozent, zu reduzieren. Das Tragen von leichten, wintertauglichen Sporthelmen, wie auch von Rückenprotektoren sind durchaus sinnvolle Schutzmassnahmen und werden zunehmend von den Jugendlichen, aber auch von den Erwachsenen angenommen. Ausserdem sind Protektoren derzeit in.

Der Material-Check vor der Wintersaison ist ein Muss, dazu zählt man die Bindungseinstellung mit den eigenen Schuhen, Kanten- und Belagtuning für Ski und noch wichtiger für Snowboards, da man ja zwei Kanten weniger zur Verfügung hat.

Bevor man sich in das Vergnügen einer Abfahrt stürzt, sollte man sich jedoch noch aufwärmen, speziell dann, wenn es am Lift extrem kalt war. Übrigens nur ein Viertel bis ein Fünftel der Zeit wird pro Tag aktiv mit Pistenabfahrten genossen, der Rest der Zeit geht beim Schlangestehen am Lift, Liftfahren, Anschnallen, Schuhe schliessen, pausieren etc. verloren. Daher sind Ski- und Snowboardtouren mit aktivem Aufsteigen und verdienter Abfahrt eine reizvolle Alternative fernab aller Menschenmassen.

Dr. Klaus Dann, Wien

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